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Arbeiten 4.0: Autonomie statt Hierarchie

Smart Work, New Work, Arbeiten 4.0, das sind die Schlagworte der Arbeitswelt von morgen. Dahinter steckt weit mehr als Digitalisierung und Home Offices. Immer mehr Unternehmen organisieren sich neu und setzen dabei auf Autonomie und Transparenz statt auf Hierarchie und Kontrolle. Manche orientieren sich an der Start-Up Szene und selbst Konzerne versuchen, ihre Strukturen aufzubrechen. Führen diese neuen Entwickungen zu einer neuen Freiheit in der Arbeitswelt?

„Verantwortlich handeln, nicht gegängelt sein, sich nicht durch zu viele Regeln eingeschränkt fühlen. Und als Mensch wahrgenommen werden.“ Diese Freiheit hatte Detlef Lohmann als Ingenieur im mittleren Management großer Konzerne nicht. Doch ein Karriereende mit Mitte 30 wollte er nicht akzeptieren und kaufte sich zunächst mit einer Minderheitsbeteiligung in ein eigenes Unternehmen ein, Allsafe Jungfalk, ein Spezialist für Ladegut-Sicherung. Lohmann beschäftigte sich intensiv mit der eigentlich naheliegenden Frage: “Was behindert den Informations-, Material-, Gedankenfluss?” Seine Lösung: eine umgedrehte Hierarchie-Pyramide, keine Abteilungen und keine regelmäßigen Besprechungen mehr, zudem Gewinnbeteiligungen für alle. Operative Entscheidungen sollten die zuständigen Mitarbeiter selbst treffen. Alle Kennzahlen, auch Gewinn und Umsatz, sind auf schwarzen Brettern für alle stets sichtbar. Freiheit 4.0. Es hat einige Zeit gedauert, bis die Mitarbeiter diese freiheitliche Organisation adaptiert haben, doch die Geduld hat sich ausgezahlt. In zwölf Jahren hat Allsafe Jungfalk den Umsatz vervierfacht und den Gewinn verzwölffacht.

Organisationen und Unternehmen weniger hierarchisch zu organisieren ist nicht neu. Berater und Strategen haben dazu unzählige Modelle entwickelt, eingeführt und nach einiger Zeit auch gerne wieder wieder durch neue ersetzt. Sind Sie heute schon umstrukturiert worden? Es grüßt der ewige Change Management Pozess. Organisationsmodelle wie das von Lohmann brechen althergebrachte Strukturen radikal auf. Wie funktioniert zum Beispiel ein Management ohne Manager? Der amerikanische Online Händler Zappos hat es eingeführt, eines der derzeit gefragtesten Organisationskonzepte ist Holacracy (Holakratie).

In holokratisch strukturierten Firmen arbeiten die Mitarbeiter in funktionalen Rollen, selbstorganisierten Kreisen und treffen Entscheidungen integrativ. Holokratisch strukturierte Unternehmen sind zweckgetriebene Organisationen. Jeder soll das tun, was er gut kann und gerne machen möchte. Dafür steht er dann in der Verantwortung, und zwar gerne. So die Theorie über glückliche und freie Mitarbeiter. In der Praxis ist die Umsetzung alles andere als einfach, wird aber von immer mehr Firmen propagiert. Der prominenteste Anwender des so genannten Betriebssystems des 21. Jahrhunderts ist der amerikanische Online Schuhhändler Zappos.

Zurück zur Grundfrage: Gibt es eine neue Freiheit in der Arbeitswelt? Auch wenn die Meinungen darüber weit auseinandergehen, fest steht: Es gibt heute viele Möglichkeiten, freier zu agieren. Steckt in uns nicht auch ein “kleiner” Detlef Lohmann, der gängige Praxis und Strukturen radikal in Frage stellt und damit zu neuen Lösungen kommen kann? Wer für ein Projekt brennt und es vorantreiben möchte, kann sich statt der ihm zugeteilten Angestellten Anhänger (Follower) suchen und das Ziel gemeinsam umsetzen. Wer zum Beispiel denkt, Marketing ist eine Stabsaufgabe, ist blind für eventuelle Unterstützer und befruchtende Kooperationen mit dem Vertrieb. Manchmal müssen Regeln gebrochen werden, um innovativ und kreativ sein zu können. Das Unbekannte, so der Tenor von Psychologen und Neurologen, fordert uns zwar, führt aber oftzu völlig neuen Erkenntnissen. Wer sich frei macht von festgefahrenen Verhaltsweisen und Strukturen, bekommt Impulse für persönliche Aufbrüche.

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