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Das gefälschte Interview: Reinhold Messner: Die Freiheit aufzubrechen, wohin ich will

"Wir steigen nicht auf Berge, um Gipfel zu erreichen, sondern heimzukehren in eine Welt, die uns als neue Chance, als ein nochmals geschenktes Leben erscheint." Reinhold Messner

Bildschirmfoto 2015-08-25 um 11.38.48Diese Fragen haben wir Reinhold Messner nie gestellt, aber er hätte vermutlich so oder ähnlich geantwortet.

Herr Messner, Sie werden oft als Abenteuer und Revoluzzer bezeichnet. Haben Sie sich schon einmal eingeengt gefühlt?

REINHOLD MESSNER: Ja, vor allem während meiner Studienzeit. Ich wollte ja lieber klettern und stellte mir vor, ich würde verrückt, weil ich im Zimmer wie ein eingesperrtes Tier hin und hergehe. Im Ergebnis habe ich mein Studium sausen lassen und bin auf den Himalaya gegangen.

Ihre Autobiographie »Die Freiheit, aufzubrechen, wohin ich will« ist betitelt mit einem Hölderlin Zitat. Sehen Sie sich wirklich als freien Menschen?

MESSNER: Nein! Bei meinen Expeditionen bin ich eher ein Getriebener. Ein innerer Zwang treibt mich dann an. Das Zitat habe ich als Hölderlin Bewunderer ausgewählt. Es heist im Original ”Und verstehe die Freiheit, aufzubrechen, wohin er will.” In dem Gedicht fordert Hölderlin, dass Freiheit mit Verantwortung einhergehen soll. Eine Anschauung, die ich leidenschaftlich teile. Ich bewundere Hölderlins Lyrik. Er war ja schizophren. Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht. Allein auf dem Gipfel fing ich an, mich mit meinem anderen Ich auseinanderzusetzen. Ich glaube, dass man von Menschen, die mit sich selber sprechen, viel lernen kann.

Frei wird der Mensch nur durch Verzicht, das lehrt der Buddhismus. In diesem Sinne habe ich zum Beispiel bei der Besteigung des Mount Everest auf die Sauerstoffmaske verzichtet.

Was haben Sie als stärkste Erfahrungen zum Thema Freiheit erlebt?

MESSNER: In der Antarktis die Stille und die Unendlichkeit. Obwohl die Sicht höchstens fünf Kilometer betrug, hatte ich bei jedem Schritt das Gefühl, dass die Unendlichkeit mir beim Gehen zu wächst. Wenn nicht die Unendlichkeit, welche Empfindung steht mehr für die Freiheit? Bevor ich in die Antarktis aufbrach, träumte ich, ich sei in einer unendlichen Weite eingeklemmt, also sozusagen in der Freiheit gefangen.

Welche Wertvorstellungen haben Sie geprägt, Herr Messner?

MESSNER: Freiheit, Instinkt und Leidenschaft, das habe ich als Grenzgänger immer wieder erfahren. Ich bewerte das vermutlich anders als Andere, aber ich konnte die bewegendsten Erfahrungen nur machen, wenn ich bis an meine Grenzen, an den Rand meiner Möglichkiten gegangen bin.

Wie gehen Sie mit ihrem Image als Abenteurer und „Freigänger“ um?

MESSNER: Ich bin eine Persönlichkeit, kein Selbstdarsteller, der sich unter Zwang inszeniert und ständig an seiner Rolle feilt. Ich bin eher ein offense Buch, in dem jeder lesen kann, wer ich bin und für was ich stehe.

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