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Leben in freier Wildbahn: Urban Outdoor, der letzte Schrei für den modernen Großstädter

Gut ausgerüstet für das Leben in Freiheit und Natur

Heute könnte es wieder ein sehr gefährlicher Tag werden. Möglicherweise verwüstet ein Hurrikan die Innenstadt. Ein Tsunami könnte alles wegspülen, was nicht niet- und nagelfest ist. Vielleicht sinken die Temperaturen ja auch plötzlich unter -40 Grad Celsius und wir müssen ganz schnell eine warme Basisstation errichten. Was auch immer passiert, viele meiner Mitmenschen sind bestens gegen jegliche Kapriolen der Natur gewappnet – dank der Kleidung mit der Tatze.

Outdoor Kleidung mit Tatze oder anderen Logos, wo auch immer ich hinschaue. Getragen am liebsten von gut situierten, gebildeten Mittzwanzigern bis Enddreißigern. Geradezu inflationär prägt die Urban Outdoor Mode den neuen Stil in unseren Einkaufszonen, in der Kinoschlange, im Biomarkt, ja selbst zuweilen in der Oper. Michalsky, Lagerfeld, Zara, Desigual und co., ihr habt bald keine Chance mehr. Das neue Bildungsbürgertum fühlt sich nur sicher in Kleidung, die eine Wassersäule von mindestens 30.000 Millimeter aushält und zugleich persönlich in der Kältekammer getestet wurde. Schließlich velässt so mancher seinen sicheren SUV auf dem Aldi Parkplatz nur, wenn er bestens ausgerüstet ist.

Oft gepaart ist das Tragen weltuntergangssicherer Outdoor Ausrüstung mit solchen Rucksäcken, wie sie die nepalesischen Sherpas für ihre Kunden den Mount Everest hinauf und hinunter tragen. Neulich bei Netto konnte ich das ganz genau beobachten, als sich ein so genannter Stadtranger vor der Wursttheke jäh umdrehte und mir seinen Rucksack genau vor den Kopf rammte.

Indes, ich frage mich: Warum muss man Urban Outdoor Uniformen in der Stadt tragen? Was möchte der Träger damit aussagen? Seht her, ich bin kernig und mir kann die Natur nichts anhaben? Ich bin naturverbunden? Ich rauche zwar nicht mehr, aber das Gefühl und den Geschmack von Freiheit und Abenteuer gibt mir meine Softshell Jacke, sobald ich das Haus verlasse? Ich weiß es nicht. Aber ich habe als Kind auch oft im Matsch gespielt und bin unzählige Male ungeschützt klitschnass geworden. Vielleicht haben die Outdoor Fetischisten andere Sozialisationsprozesse durchlaufen und kompensieren das nun mit North Face, Vaude, Wellenstein und so. Nur schön ist anders.

 

 

North FaceDer Verkaufstext von North Face: „Wer den Komfort von Hausschuhen wünscht und auf die Trittsicherheit von Winterstiefeln nicht verzichten möchte, sollte die The North Face Men’s NSE Traction Mule anziehen. …Mit dem The North Face Men’s NSE Traction Mule kann man wunderbar im Zelt relaxen oder in verschneiten Städten Vorräte einkaufen – Komfort und Trittsicherheit sind jederzeit garantiert!“

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